Das Fleisch für das Leben der Welt

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Das Fleisch für das Leben der Welt

Eine Provokation (Joh 6,51-58)

Eines der grossen Themen in den Medien ist der Fleischkonsum und das vegane Leben. Mindestens vegetarisch ist angesagt. Auf diesem gesellschaftlichen Hintergrund kann der Text aus dem Johannesevangelium als skandalös empfunden werden. Jesu bezeichnet sich als „das Fleisch“ für das Leben der Welt. „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.“ (Joh 6,53)

Weht in diesem Text nicht ein Hauch von Kannibalismus hinein? Die Leute damals stehen fassungslos vor dieser Behauptung: „Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben?“ (Joh 6,52)

Doch Christus zeigt nicht das geringste Interesse, die Provokation abzudämpfen. Im Gegenteil, er insistiert: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.“ (Joh 6,56)

Was Jesus hier sagt, durchbricht jede Vorstellung. Aber es ist Offenbarung Gottes und eröffnet eine neue Kategorie der Liebe.

Blut galt in den alten Kulturen als Träger des Lebens, mit Fleisch war das ganz konkrete Wesen und Sein eines Menschen gemeint.

Brot steht für das Lebensnotwendende. Brot vom Himmel verweist auf das Manna in der Wüste, das die Israeliten am Leben erhalten hat. Jetzt ist Christus dieses Brot vom Himmel und bringt eine Sättigung für den menschlichen Hunger nach Leben, ein lebendiger Mensch aus Fleisch und Blut.

In Christus hat Gott sich das Menschsein zu eigen gemacht. Er ist das „fleischgewordene Wort Gottes“, heisst es im ersten Kapitel des Johannesevangeliums.

Gott wollte sich damit dem Menschen als Liebender offenbaren. Auf Augenhöhe mit ihm kommen, wo er doch den Sinn seines Lebens aus den Augen verloren hat.
Er wollte ihn zurücklieben. Alles, was Christus als Mensch ist, tut, erleidet, wird durch ihn heimgeholt in die Beziehung mit Gott. Er legt sozusagen die geistige Spur dieses Heimweges. Er lehrt uns die entsprechende Geisteshaltung, die in diese Beziehung mit Gott zurückführt.

Christus gibt seine ganze Existenz hin an diese Offenbarung. Er geht den Weg bis zum Letzten. Er gibt sein ganzes Leben im Fleisch, dieses leidensfähige Leben als Leib, Seele und Geist-Einheit her. Er bewahrt es nicht, er schont es nicht, er weicht dem nicht aus, was ihn damit erwartet. So soll offenbar werden, dass Gott Liebe ist, und nicht einer, der herrscht über den Schwachen, wie es die Projektion des gefallenen Menschen fürchtet.

Es ging nicht darum, dass Christus am Kreuz stirbt. Seine Erlösungstat besteht darin, dass er bei der Liebe bleibt, auch als der ganze Hass der menschlichen Herrschmacht ihn vernichten will. Aber Gott hat das in Kauf genommen.

Wenn die Menschen alle glücklich gewesen wären über sein Kommen und ihn aufgenommen hätten in ihrem Innersten, hätte er alles schenken können, was er wollte. Er hätte nicht sterben brauchen sondern die neue Schöpfung hätte auf diese Weise angefangen in der Herzmitte der damaligen Menschen.

Gott stösst immer auf Widerstand, ausser bei denen, die nach der Fülle des Lebens hungern. Er muss ganz sorgfältig, mit viel psyschologischem und pädagogischen Geschick versuchen, uns für seine Gnade zu öffnen.

Diese Stelle aus dem Evangelium will uns also sagen: Alles, was Christus ausmacht, was ihn in seinem konkreten Menschsein ausmacht, sein Fleisch und Blut als konkrete menschliche Existenz, all das sollen wir uns einverleiben, um so Mensch zu werden wie er.

Das Einswerden mit ihm hat Paulus erlebt: Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir, schreibt er im Galaterbrief. Das wird möglich, wenn wir sein Wesen immer tiefer erkennen, wenn wir ihn hören und uns auf das einlassen, was zu uns spricht. Alle Liebenden wissen darum, wie das Du im eigenen Innern gegenwärtig wird und wirkt und verwandelt.

Liebe ist nur erfahrbar, wenn sie sich zum Ausdruck bringt. Das hat Gott getan, als er „im Anfang“ die Schöpfung machte. Alles ist aufgeladen mit seiner Liebe, mit allem sagt er uns: Ich liebe dich. Durch den Sündenfall haben wir den Zugang zu dieser Dimension der Wirklichkeit verloren.

Nun ist Christus gekommen und hat nach dem Wasser durch die Taufe im Jordan zwei weitere Elemente der Schöpfung mit einem neuen Sinn aus der Dimension des Himmels aufgeladen: Brot und Wein. Damit sagt er uns: Das ist meine Art der Kommunikation, solange Du noch in dieser vergänglichen Welt lebst. Immer, wenn Du dieses Brot und diesen Wein in meinem Sinn einverleibst, gewinnst Du Anteil an meinem Leben, an meinem Sein, an meinem Wesen, an meinem Geist. So ist Brot und Wein wieder ein Medium der göttlichen Wirklichkeit, aufgeladen mit einer neuen Information. So wirkt die göttliche, schöpferische Liebe ständig aus der Welt des Unsichtbaren in unsere menschliche Erfahrbarkeit hinein, denn wir können Geistiges nur über die Sinne erfahren.

Es gibt heute Experimente, die aufzeigen, dass sich durch menschliche Gedankenkraft die Struktur des Wassers verändert. Wenn man auf ein Glas Wasser eine Etikette klebt mit dem Wort „Liebe“ ist die Struktur des Wassers anders als wenn man die Etikette „Hass“ draufschreibt. Worte sind Träger von Geistmacht und verändern die Schwingung des Lebens.

Immer wenn wir in Freiheit in Kommunikation treten mit Christus und uns Brot und Wein einverleiben in Verbindung mit seinem Wort, durchwirkt uns sein Wesen, verändert sich die Schwingung, die Energie unseres Lebens, werden wir aufgebaut mit Gottesqualität.

Damit wir nicht wie die Juden damals bei der Frage stecken bleiben: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? brauchen wir den Heiligen Geist, er muss uns die Augen des Herzens öffnen, damit wir den Zusammenhang von sichtbar und unsichtbar neu verstehen und uns darauf einlassen können. Es ist wichtig, diese Fähigkeit zu üben, zu praktizieren wie eine besondere Begabung.

Dann werden wir fähig, in Brot und Wein das Leben und die Liebe zu erkennen, die uns von Gott her zuströmen. Dann erfahren wir Einssein untereinander im Empfangen dieses Lebens.

Bild1: Hildegard von Bingen, Scivias, Das Opfer Christi und der Kirche, Tafel 15/Schau II 6
Bild2: Close up of a diagonal DNA Chain of water. 3D, Von polesnoy , AdobeStock
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Renate van Olfen
15. Februar 2019 19:35

Danke Pia,,deine Erläuterungen hier sind Balsam für meine Seele. Danke das du dein Talent für uns einsetzt. Ich gebe deine Worte weiter.

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Christina Heinrich
16. Februar 2019 9:45

Viele Kritiker der Eucharistie, auch Katholiken, sprechen sus Unwissenheit von dieser „kanibalistischen“ Deutung. Es gibt einfach keine entsprechende Religionspädagogik um diese anspruchsvolle Theologie zu verstehen.

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